"Alle Menschen haben eine tiefe Sehnsucht nach Dissonanzen"

Der Komponist Georg Friedrich Haas spricht über seine Oper "Bluthaus", über politische Schweinereien und die Kombination von c-Moll-Akkorden mit traurigen Bäumen

Feuilleton | INTERVIEW: DANIEL ENDER | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Georg Friedrich Haas ist zwar einer der wichtigsten Komponisten, die Österreich in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat; dennoch sind seine Werke außerhalb der Kreise der Neuen Musik verhältnismäßig selten zu hören. Das müsste nicht so sein: Denn vor allem dank einer Obertonharmonik, die er über eine lange Zeit beständig verfeinert hat, strahlt seine Musik eine unmittelbare Sinnlichkeit und enorme Sogkraft aus. Auch in seiner neuen Oper "Bluthaus", die derzeit bei den Wiener Festwochen zu sehen ist (Termine: 13. und 15. Juni), spielen diese Harmonien eine Schlüsselrolle. Haas' Musik stellt hier und in ihrer Gesamtheit nichts weniger als die Frage nach der Möglichkeit fragiler Schönheit inmitten einer Welt des Schreckens, der in seinem Œuvre mannigfaltige Gestalt annimmt.

Falter: Ihre Oper "Bluthaus" wurde als "Inzestdrama" und "Horroroper" bezeichnet. Hat Kunst die Aufgabe, Verdrängtes und Verschwiegenes an die Oberfläche zu bringen?

Georg Friedrich Haas: "Bluthaus" ist


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