Tiere

Felsenfest

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014


Marmor, Stein und Eisen bricht, sang – grammatikalisch falsch, aber musikalisch erfolgreich – Drafi Deutscher im Jahr 1965. Fast 50 Jahre später könnte man – geologisch korrekt – ergänzen, „aber Österreichs Felsen nicht“.

In einer amtsdeutsch betitelten Studie „Artikel-17-Bericht der Periode 2007–2012“ wurde der Zustand von Lebensräumen und Lebewesen in Österreich erhoben. Ein durchaus heikles Thema und daher zuerst die gute Nachricht: Mehr als 50 Prozent der österreichischen Felsen weisen einen günstigen Erhaltungszustand auf. Auf unsere Felsen können wir stolz sein!

Die Moore hingegen schwächeln ziemlich, weil sie aufgeforstet, beweidet, gedüngt und entwässert werden. Das kann man natürlich beklagen, aber auch fragen, ob diese Moore daran nicht auch ein bisschen selbst schuld sind. Was machen sie denn Produktives außer in der ökologischen Hängematte herumliegen und darauf warten, dass man sie erhält? Unsere Felsen hingegen trotzen vorbildhaft jeder Überdüngung und Beweidung. Der englischsprachige Mensch lebt ja im Bewusstsein der sozialliberalen Maxime: „When the going gets tough, the tough get going.“ Aber diese Moore kommen in ihren Birkenstock-Schlapfen einfach keinen Meter vorwärts.

Ganz schlecht läuft es laut Studie auch für Käfer. Da fühlen sich sicher viele Gartenbesitzer und Topfpflanzenliebhaber verhöhnt, die täglich einen aufrechten Kampf gegen diese oft vegan lebenden Kerbtiere führen. Für 85 Prozent der Käferarten wird der Erhaltungszustand als „schlecht“ angegeben, für 15 Prozent ist er „unzureichend“, und für exakt null Prozent sind die Bedingungen günstig. Dieser Befund deckt sich überhaupt nicht mit meiner subjektiven Statistik der Leseranfragen. Dort steht zurzeit an erster Stelle der „Scheiß-Breitmaulrüssler“, der nur von Pflanzenfreunden so genannt wird. Eigentlich heißt dieser kleine, dunkle Käfer, der seine Beißwerkzeuge bevorzugt in behütetes Grünzeug steckt, Gefurchter Dickmaulrüssler. Und vermutlich ärgerte sich der britische Physiologe und Philosoph John Haldane ebenfalls über dieses Tier. Denn auf die Frage, was er aus dem Studium der Natur über Gott gelernt habe, meinte er: „Er hat eine ungewöhnliche Vorliebe für dunkle Käfer.“ Nach der nicht nur kürzlich, sondern auch nur in Kurzversion veröffentlichten Studie wäre Österreich dann ein ziemlich gottloses Land.


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