Steiermark

Der beste Deutschunterricht: wenn das Vorstadttheater Horváth spielt

Lexikon | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Im Schulbuchverlag Cornelsen erscheint Ödön von Horváths Roman "Jugend ohne Gott" als "Klassische Schullektüre". Wenn Weltliteratur im Deutschunterricht verbraten wird, hat das so seine Tücken - plötzlich erscheint eine düstere Ballade wie der "Erlkönig" gerade noch gut genug für schlechte Persiflagen. Auch "Jugend ohne Gott" ist eigentlich ein Hammer, ein literarisch virtuoser Zeitspiegel im Krimigewand. Und: Das zeitlos zweifelhafte Prinzip schulischer Erziehung wird ebenfalls aufgearbeitet.

Dass Matthias Ohner sich mit seinem Vorstadttheater dieses Stoffes annimmt, ist erst einmal als Pragmatismus zu werten, denn das Ohner'sche Einmanntheaterunternehmen lebt auch von Schulaufführungen. Wie er diese quasi dreifache Schulverbandelung auflöst, hat allerdings Klasse: Regisseur Ed Hauswirth und sein Akteur verwandeln die Bühne selbst in einen Klassenraum, Ohner startet eine zwanglose Werkeinführung mit Beamer und Whiteboard, von da schlüpft er direkt in die Geschichte und dort dann in verschiedene Rollen. Ohner ist ein großartiger Erzähler und Performer, der sein Publikum packt. Die Lässigkeit, mit der er durch die Handlung kurvt, als würde er einen Cadillac steuern, macht Horváths Erzählung wieder wirklich stark.

Kein Wunder, dass das Vorstadttheater damit erneut zum bestOFFstyria-Festival eingeladen wurde, bei dem es im Herbst gegen das Theater im Bahnhof, die Rabtaldirndln, das Theater t'eig die 2. Liga für Kunst und Kultur und die Performerin Veza Fernandez um den Theaterland-Steiermark-Preis rittern wird.

Schauspielhaus Graz, Probebühne, Mi 20.00


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