Mediaforschung Verführungskolumne

Das Zeug zum Kult: die geniale Werbung der Sunday Times

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 24/14 vom 11.06.2014

Was braucht man, um sechs stilprägende Motive aus der Kulturgeschichte der letzten 500 Jahre filmisch so nachzustellen, dass man sie kaum vom Original unterscheiden kann? Ein Set, einen begabten Kameramann, zackige Bühnenarbeiter, drei Schauspieler, einen zweifärbigen Anzug, einen Haufen Equipment und 42 Sekunden.

Wie das aussieht, kann man sich im genialen (keine Übertreibung!) Spot "Icons" der Sunday Times auf www.makingoficons.com ansehen, mit dem die britische Zeitung ihre neugestalteten Kulturseiten bewirbt. Selten war eine Werbung zugleich so einfach und so aufwendig wie diese.

Innerhalb einer einzigen Kamerafahrt verwandelt sich ein Schauspieler von der Denker-Statue des französischen Bildhauers Auguste Rodin aus dem Jahr 1882 in die auf der Bank sitzende Filmfigur Forrest Gump aus dem Jahr 1994. Vier Sekunden darauf sieht der Zuseher das kultige Symbolbild der US-Erfolgsserie "Mad Men", sechs Sekunden später stellt der Schauspieler "Die Erschaffung Adams" aus dem 16. Jahrhundert dar, das weltbekannte Bild des Renaissance-Malers Michelangelo.

"Icons" kommt komplett ohne Handlung aus, der Spot lebt von der ständigen Verwandlung und vom ständigen Verblüffen des Zusehers. Die letzten Stationen der Zeitreise enden im Jetzt: die Kultfilmszene aus Quentin Tarantinos "Reservoir Dogs". Und das Albumcover von Daft Punk.

Hinterlegt mit diesem sehr, sehr coolen Sound hat die Werbung das Zeug dazu, selbst Kult zu werden.


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