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Politik | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

So hässlich ist Krieg wirklich

Bilder von Kämpfen und deren Folgen sind nicht schön. Aber sie zeigen die Realität und animieren dazu, etwas zu tun. Aufgrund ihrer aufklärenden Wirkung hatte sogar die prominenteste Fotografiekritikerin Susan Sontag in "Das Leiden anderer betrachten“ (dt. 2003) ihr Verdikt gegen Kriegsfotografie aufgehoben. Bilder von Krieg und Folter sieht man jeden Tag in der Zeitung. Viele mögen kaum hinschauen - und ahnen nicht, dass es sich hier immer noch um eine "geschönte“ Realität handelt.

Das Bewusstsein dafür möchte der New York Times-Fotograf Christoph Bangert wecken, mit weitgehend unveröffentlichten Bildern aus zehn Jahren in Afghanistan, Irak, Indonesien, Libanon und Gaza. Und damit nicht nur die Zensur von Zeitungen, sondern auch seine Selbstzensur offenlegen. Auch, weil er sich nicht wie sein Nazi-Großvater einfach dem Vergessen ergeben will. Ein Aufklärungsprojekt zweiter Ordnung, nicht für Kinderaugen bestimmt, schwer anzuschauen, aber notwendig. Wer es ganz sehen will, braucht Mut - und ein Messer, um die Seiten aufzuschneiden.

Christoph Bangert: War Porn. Kehrer, 192 S.,

€ 30,80


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