Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Die Poren des Nachrichtensprechers sind seit vergangener Woche gestochen scharf zu sehen, als ein Flachbildschirm den Platz des voluminösen Vorgängers einnahm. Gebannt starre ich seither auf die Scheibe, die digitale Bilder in großer Eindeutigkeit überträgt. Vorbei sind die Zeiten, als sich verschwommene Farbfelder langsam zu Gesichtern oder Landschaften zusammensetzten. Als ein visuelles Rauschen die ästhetischen Unterschiede zwischen der Fußballübertragung, dem Kinofilm und der Talkshow ausglich. Statt Pointillismus gibt es jetzt Hyperrealismus.

Vielleicht braucht eine Ärztin im Operationssaal die Farbnuancen des High-Definition-Fernsehens, wenn sie ein Organ untersucht. Beim Blick in den Topf einer Kochsendung ist das erweiterte Spektrum gewöhnungsbedürftig. Die Unschärfe war wie ein Filter zwischen der Welt und dem Wohnzimmer, nun ist alles aufdringlich nah. Ist HD überhaupt noch Fernsehen?


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