Mediaforschung  

Eine Werbeaktion, die den Zuschauern richtig wehtut

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Wer das Schlimmste verhindern will, sollte im Kino das Handy abdrehen. In Florida erschoss ein Kinobesucher seinen Vordermann, weil er sich durch dessen SMS-Schreiberei gestört fühlte. In Hongkong kamen die Kinobesucher mit dem Schrecken davon. Schuld an dem Massenschock war eine exzellente Werbeaktion. Ihre Dokumentation ist auf Youtube unter "Eyes on the Road“ zu finden. Sie wurde am 6. Juni hochgeladen, eroberte die Social-Media-Kanäle und steht mittlerweile bei rund 18 Millionen Klicks.

Die Doku beginnt harmlos: Menschen strömen ins Kino, nehmen nichtsahnend auf den gepolsterten Sesseln Platz, dann wird’s im Saal dunkel. Der Projektor wirft einen Film an die Wand. Die Zuschauer sehen, wie jemand im Auto den Motor startet, die Musik anmacht und aufs Gas steigt - alles gedreht aus der Ich-Perspektive. Während auf der Leinwand das Auto durch den Wald rast, macht sich in einem anderen Raum im Kino ein Computertechniker ans Werk. Er ortet alle Handynummern der Kinobesucher und schickt ihnen zeitgleich ein SMS.

Im Saal setzt ein Massenklingeln ein, die Kinobesucher blicken auf ihr Handy. In dem Moment fährt das Auto auf der Leinwand mit lautem Knallen gegen einen Baum. Den Satz "Handygebrauch ist nun die Hauptursache fürs Sterben hinterm Lenkrad“ lesen sie mit weit geöffneten Augen.

Kurioses Detail: Geworben wird für die Automarke Volkswagen. Die beteuert gegenüber dem Falter, dass die Aktion keine Auftragsarbeit war.


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