Stadtrand 

Inselparadies für alle mitten in Wien

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Birgit Wittstock amüsiert sich über den Publikumswechsel auf der Donauinsel

Fast 20 Jahre ist es her, dass Elizabeth T. Spira die sogenannten Donauinsulaner in ihren "Alltagsgeschichten“ porträtiert hat. Da sah man Männer mit stattlichen Bierbäuchen, Vokuhilas, Häfnpeckerln, Goldketterln und Schwechaterdosen in der Hand. Man sah ihre barbusigen Frauen, dunkelbraun gebrannt, mit Dauerwellen und Meschen und schweren Grammatikschwächen beim Reden. Es waren vor allem Arbeiter aus Transdanubien, die die Donauinsel, das Lignano von Wien, nutzten und sich hier am kostenlosen Stadtstrand die Sonne in die Gesichter scheinen ließen.

Heute weht ein bisschen ein anderer Wind auf der Insel. Nun trommeln hier Studenten mit langen Dreadlocks auf Bongos, rauchen Gras, diskutieren über die Lage in der Ukraine oder sehen ihren Hunden beim Baden zu. Oben ohne ist längst out. Genauso wie das lange Braten in der Sonne. Nebenan eine Partie gutsituierter Jungeltern, sie trinken Aperol und Prosecco aus gläsernen Sektflöten. Während die Männer über ihre Jobs reden, erzählen sich die Frauen vom Babyschwimmkurs. Boboalarm statt Prolocharme.


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