Brief aus Rio 

Gringo-Alarm: eine Stadt voller Ausländer

Vor-Ort-Bericht

Stadtleben | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Ulla Ebner direkt aus Rio über das Geschehen außerhalb der Stadien

Jetzt ist die Stadt voller Ausländer. Woher sie kommen, erkennt man sofort am jeweiligen Fan-Leiberl. Angesichts dieser Übermacht an singenden, fahnenschwingenden Gringos, fühle ich mich plötzlich als carioca, so nennt man die Bewohner von Rio de Janeiro. Daher nehme ich es persönlich, wenn mich die Gemüsehändler am Sonntagsmarkt neuerdings wie eine Touristin ansprechen. Offenbar haben sie geübt, extra für die WM. Präsidentin Dilma hat mehrfach betont, man müsse die Ausländer liebevoll empfangen. "You speak English?“, "Parlez-vous français?“, "¿Hablas español?“. Ich weiß, sie meinen es nett, darum lass ich mir meine Gekränktheit nicht anmerken. Wo sich der Spaß aber aufhört: Wenn uns der ambulante Erdnussverkäufer im Biergarten auf einmal nur noch zwei statt drei Packerln Erdnüsse für fünf Reais hinlegt. Soll er doch die Gringos abzocken, mit mir nicht! Ich lasse mich erst wieder wie eine Gringa behandeln, wenn ich die einzige im Viertel bin.


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