Ins Mark  

Gewagte Ziele

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Klare Verhältnisse schufen am Wochenende die steirischen Grünen. Sie einigten sich schon jetzt auf ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2015: den obersteirischen Kommunalpolitiker und Abgeordneten Lambert Schönleitner. Zwar war er der einzige Kandidat, 91 Prozent Zustimmung sind für grüne Verhältnisse dennoch ein starkes Ergebnis. Mit 76 Prozent wurde er auch zum Landessprecher gewählt.

Die Partei hat also aus dem Debakel vor der letzten Landeswahl gelernt: Da wurde der politisch unerfahrene Kabarettist Jörg-Martin Willnauer aus dem Hut gezaubert, der schon bald das Handtuch warf. Diesmal sagen die Grünen vor allen anderen, mit wem sie in die Wahl ziehen werden.

Gelernt hat auch Schönleitner: War er intern früher umstritten, weil angeblich kein großer Teamspieler, so soll sich das gebessert haben. Für ihn spricht, dass er weiß, was er will, und es klar ausdrücken kann. Was er auch jetzt tat. Er strebt eine Regierungsbeteiligung an. Und will sich nicht wie zuletzt mit 5,55 Prozent begnügen, sondern zweistellig werden.

Eine gewagte Ansage, ist man doch gerade auf Landesebene ein ums andere Mal nicht vom Fleck gekommen. Schönleitner will jetzt griffiger formulieren, breitere Zielgruppen ansprechen, mehr mit den Leuten reden. "Und Signale setzen, die nicht ausgrenzen: Nicht jeder, der in einem Auto sitzt, ist ein Fürchterlicher.“

Klingt alles vernünftig. Sich populärer zu geben hat schon im EU-Wahlkampf geklappt, sieht man vom unwürdigen Plakat mit dem verurteilten Ernst Strasser ab. Der Grat zwischen Popularität und Populismus ist eben schmal. Darauf nicht abzustürzen wird die Herausforderung sein.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige