Selbstversuch

Im Boot kommen wir einfach nicht zusammen

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Doris Knecht verschärft den Hippie-Modus

Wenn’s nach mir geht, könnte man alle Abende an Lagerfeuern verbringen. Der FF, der fesche Fotograf, mag Lagerfeuer auch. Der Horwath mag Lagerfeuer nicht mehr so, ihm ist diese Hippie-Romantik zu pickig. Auf einmal waren drüben beim Horwath die Feuerstellen verschwunden, und jetzt stehen da nur noch Griller, drei rußige Weber-Ungetüme, die der Horwath für kein Geld secondhand erstanden hatte. Was insofern verwundert, als der Horwath kein so gutes Verhältnis zum Grillen mehr hat. Wie wir alle. Es sei denn, die Gäste übernehmen es vollumfänglich und man selber schiebt nur ein Blech voll grob zerkleinertem, olivengeöltem Gemüse in den Ofen.

Insofern ist FF ein sehr beliebter Gast, denn er liebt die Grillage, und wenn die Glut glüht, steht er mit der Zange am Grillgerät und singt vor Glück. Wo man jetzt dafür oder dagegen sein kann, egal, am Schluss liegt ein Stück Fleisch oder ein Fisch auf dem Teller, außen rustikal, innen rosig.

Wie alles kann der FF nämlich auch Grillen am besten, diesfalls ist das gut. Andernfalls ist es oft schwierig, weil es eigentlich auf der Welt nichts gibt, was der FF nicht besser kann oder schöner hat, keinen Ort, an dem der FF nicht schon viel früher war, keine Idee, die er nicht längst hatte. Letztes Jahr, als ich täglich ungefähr fünfmal über einen See geschwommen bin, kam der FF an einem Wochenende, schwamm einmal mit und brachte mir dann bei, wie man das richtig macht. Endlich. 30 Jahre lang komplett falsch geschwommen, zum Glück kam der FF.

Aber Grillen: super. Paddeln tatsächlich auch. Wir sind zum Fluss gefahren, der FF, die Horwathin, ich, haben das Gummiboot aufgeblasen und sind hinuntergepaddelt. Das Boot glitt satt über alle Stromschnellen, wir kenterten nicht. Wo man einmal sagen muss: Nie kentert dieses Boot, außer der Lange sitzt darin. Der Lange sitzt immer hinten und brüllt an schwierigen Stellen Anweisungen, die ich aber lieber nicht befolgen möchte, weil ich sie für exakt verkehrt halte. Leider ist es beim Paddeln nicht gut, wenn der vorn im Boot etwas anders macht als der hinten, und sei es auch das Richtige. Es ist ein Dilemma, das mich zögern lässt, mich wieder mit dem Langen in ein Gummiboot zu setzen. Im Boot kommen wir einfach nicht zusammen.

Sonst läuft es besser. Ich knie z.B. mit dem Schraubenzieher über dem Rasenmäher (der FF war leider nicht da), der Lange kommt angeschlendert und steht dann mit den Händen in den Hosensäcken daneben und spricht mitfühlende Worte, bis ich ihn frage, ob er sich bitte schleichen kann. Dafür bin ich sehr froh, wenn er später den Rasenmäher ins Auto hievt und ihn zu den öligen Männern in der Lagerhauswerkstatt fährt, weil mein Schraubenzieher und ich natürlich überhaupt keine heilende Wirkung hatten.

Aber wo war ich? Lagerfeuer super, genau. Der Lange hat mir übrigens eine Gitarre geschenkt, was die Verweildauer vom Horwath leider weiter dezimiert. Der FF soll kommen, der bringt mir das bei.


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