Tiere

Grillteller

Falters Zoo | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014


Wie klingt der Sommer in der Stadt? Da wären auch heuer wieder die altbekannten Hits: angeschickerte Gelächterchöre im Schanigarten, vielstimmige Autohup-Oden an die Baustellenstaus und wummernde Hubschrauber-Soli bei der Überwachungssymphonie.

Aber dann gibt es auch die feinen Töne, die so leise gar nicht sind. Über 50 Meter weit kann man bei uns von April bis Anfang Juli die bis zu 100 Dezibel lauten Lockgesänge der Feldgrillen hören. Später im Sommer übernehmen dann andere Heuschreckenarten die Lufthoheit über den Wiesen.

Ihr Lebensraum ist auch unser bevorzugter Aufenthaltsort: sonnige, trockene Wiesen. Davon gibt es aber immer weniger, weil Agrar- und Bauwirtschaft diese Lebensräume ursupiert. Die Feldgrille gilt daher als sogenannte Flaggschiffart, deren Vorkommen oder Verschwinden den Zustand dieses Ökosystems dokumentiert. Deswegen wurde sie heuer in der Schweiz sogar zum Tier des Jahres gewählt.

Mit Grillen (aber nie beim Grillen!) kann man nämlich auch viel Spaß haben. Auf leicht schrägen Hängen bauen sie gerne ihre Wohnröhren. Dort kann man die Männchen herauslocken, indem man mit Gefühl einen Grashalm wie einen vermeintlichen Rivalen einführt. Und dann macht man zwei wichtige Beobachtungen. Erstens: Grillen hüpfen nicht, sondern sind flinke Läufer. Wenn man seine Hand nicht ebenso flink vor dem erbost hervorschießenden Grillenbullen wegzieht, dann kommt man zur zweiten Erfahrung: Feldgrillen sind Allesfresser und beißen die Hand, die sie nicht füttert. Der Schreck dabei ist aber größer als der Schmerz.

Wer sich nächtens vom hypnotischen „Gri-gri-gri-gri“ gestört fühlt, sucht am besten ein Weibchen und setzt dieses vor die Wohnröhren. Dann schalten die Männchen – und nur diese rufen so laut – sofort auf leises Balzgezirpe. Zugegeben, ein Spaß für fortgeschrittene Insektenfreunde.

Folgenden Trick hingegen kann jeder biologische Laie mit Grundrechnungskenntnissen ausprobieren: Man zählt mit, wie oft eine Grille in 25 Sekunden zirpt. Dann dividiert man diese Zahl durch drei und addiert vier. Das Ergebnis entspricht dann ungefähr der aktuellen Lufttemperatur. Zum Beispiel: 50-mal Zirpen durch drei ist ca. 17. Plus vier ergibt dann 21 Grad. Wenn es nicht stimmt, dann haben Sie sich verzählt oder Ihr Thermometer zeigt falsch an. Hören Sie auf Ihren Sommer!


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