Musiktheater Kritik

Der Visionär Strauss und seine zweite Oper

Lexikon | HR | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Das schönste Geschenk zum 150 Geburtstag machte die Wiener Volksoper dem Jahresregenten mit "Feuersnot". Eine erotisch aufgeladene Geschichte hat Ernst von Wolzogen zu einem "Singgedicht" in bayrischer Mundart und gelegentlich ehrfürchtigschwülstigen, aber auch gekonnt lustigen nachwagnerischen Stabreimen geformt: Die Bürgermeistertochter Diemut (Kristiane Kaiser) lässt Kunrad (Dietrich Henschel) abblitzen. Als Rache bringt dieser alle Feuer der Stadt München zum Verlöschen, nur durch Diemuts Hingabe können sie wieder entzündet werden. Richard Strauss komponierte im Orchester dazu eine Liebesszene nach "Tristan"-Art, flocht zuvor auch Walzer, Münchner Lieder und Wagner-Zitate in die Partitur ein. Mit großem Aufgebot - Handwerks-"Meister" und ein Frauenterzett als Isartöchter im Ensemble, nicht zu vergessen Chor und (ganz hervorragender) Kinder- und Jugendchor - verweist diese 1901 entstandene Oper weniger auf "Salome" und "Elektra", als auf den "Rosenkavalier", sogar auf "Vier letzte Lieder". Mustergültig von Hans Graf dirigiert, entfaltet die kaum einmal aufgeführte Musik mitunter Mahler-Nähe und die Instrumentationskunst des Musikdramatikers.

Volksoper, So 19.00 (letztmals)


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