Schau dir mein Leben an!

Eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst der Roma hat dieser Tage im GrazMuseum eröffnet

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 25/14 vom 18.06.2014

Das erste Mal wurde "Have a look into my life!" vor kurzem in Straßburg gezeigt, anlässlich des Vorsitzes Österreichs im Ministerkomitee des Europarates. Auf Initiative der Stadt Graz in Kooperation mit der Stadt Straßburg und unter Mitwirkung zahlreicher, vor allem Pro-Roma-Initiativen wurde die Schau von der Akademie Graz produziert. Astrid Kury, die Leiterin der Akademie, ist neben Delaine Le Bas und Ursula Glaeser zudem Teil des Kuratorentrios.

Nachdem sich die Ausstellung in Straßburg, wie es seitens der Veranstalter heißt, eines "außergewöhnlichen Interesses" erfreute, tourt sie nun durch Europa. Jetzt hat sie im GrazMuseum eröffnet, danach wird sie etwa in Paris, Budapest, Dresden oder Sofia zu sehen sein. Insgesamt zeigen 14 Künstlerinnen und Künstler, junge wie renommierte, aus zwölf europäischen Ländern ihre Arbeiten. Was sie eint ist der Versuch, dem Gefühl der Marginalisierung und Diskriminierung Ausdruck zu verleihen.

"Es ist kein realitätsfernes Projekt, wie viele der Arbeiten belegen", sagt die britische Kuratorin Delaine Le Bas, die in der Vergangenheit mit ihrem Ehemann Damian Le Bas schon das eine oder andere Mal in Graz künstlerisch tätig war. "Wir verfügen über eine reiche Kultur, von Kunst über Erzählungen bis hin zur Musik, und wir sind mehr als in der Lage, unsere Welt selbst zu repräsentieren."

Und so wird man bei "Have a look into my life!", dem Titel entsprechend, ein Gefühl dafür bekommen, was es heißt, in Europa - zwischen zehn und zwölf Millionen Roma leben hier - Rom oder Romni zu sein. Die Künstler nutzen so gut wie alle Medien, von Malerei bis Film, um persönlichen Erfahrungen Ausdruck zu verleihen.

Vor allem wird die Romani Čhib, die weitgehend unbekannte, bedrohte und in den verschiedensten Dialekten und Varianten existierende Sprache der Roma, eine wichtige Rolle spielen. In ganz Europa wurden Roma gebeten, ihre drei wichtigsten Worte in Romani zu schicken, mehr als 350 Beiträge sind eingelangt. Gesundheit, Liebe oder Familie wurden - wenig überraschend - am öftesten genannt.

Nur, heißt es seitens der Projektverantwortlichen, wird es Roma um vieles schwieriger gemacht, diese Ziele auch zu erreichen. Die Künstler selber hingegen haben zu Begriffen ihrer Wahl gearbeitet und demensprechende Werke angefertigt.

In einem Statement hält die französische Künstlerin Gabi Jiménez fest: "Wir Roma-KünstlerInnen werden an die Peripherie des Kunstraums gedrängt." Zumindest für die kommenden vier Wochen stehen sie mittendrin.

GrazMuseum, bis 14.7.


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