Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Schraub ma's halt drauf, oder?

Steiermark | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Laufmeter gusseisernes Geländer, drei Stück gusseisernes Geländer gerundet, vier Stück gusseiserne Hauptsteher, 32 Stück gusseiserne Zwischensteher, neun Stück gusseiserne Maskeronen vulgo Fratzenköpfe -das sind Teile des Geländers der alten Grazer Hauptbrücke. In den 1960ern wurde die Hauptbrücke, wie man sie heute kennt, neu gebaut. Das alte Geländer aus dem 19. Jahrhundert verschwand in den Lagerstätten eines Bauunternehmers, bis es der Grazer Alexander Kossär wiederentdeckte. Schon Anfang der Nullerjahre wollte er es an die Stadt verkaufen, allerdings wurde nichts daraus.

Jetzt hat er in Stadtrat Mario Eustacchio (FPÖ) einen Mitstreiter gefunden, der sich dafür einsetzt, dass die Stadt die alten Teile um knapp eine halbe Million Euro ankauft und sie wieder an ihren alten Platz zurückkehren. "Spitzendesign des 19. Jahrhunderts trifft aufs Kunsthaus und das 21. Jahrhundert", so Eustacchio in der Kleinen Zeitung. Aha. Auch der Graz-Tourismus-Chef findet das sehr überlegenswert. Sicher hat das Geländer aus kunsthistorischer Sicht seine Reize. Nur wie könnte eine Neuinstallation konkret aussehen?

Nach Plänen von Kossär soll das historische Geländer dem bestehenden beigestellt werden. Von solchen Behübschungen ist abzuraten. Und das greise Gusseisen als funktionales Brückengeländer auf das schmucklose 60er-Jahre-Betonbrett schrauben? Das ist eine Zwangsehe, das kann der Stadtrat unmöglich wollen. Überhaupt würde das Projekt wohl kaum Gefallen bei der Altstadtkommission erregen. Eustacchio macht's ähnlich wie der Bürgermeister beim Kunsthaus: einfach vorpreschen - wird sich schon wer finden, der applaudiert.


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