Brief aus Rio Vor-Ort-Bericht

Fußball und Völkerverbindung

Stadtleben | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Letzte Woche war ich ausnahmsweise im Fußballstadion und musste die Niederlage Spaniens mitansehen. Der kurze Moment der Bitterkeit war bald vorbei, angesichts der ansteckenden Freude der Chilenen. "Chi-chi-chi, Le-le-le" überall. Vorm Stadion haben sie sich mit spanischen und anderen ausländischen Fans fotografiert. Freundschaftlich, ohne Häme. Fußball ist doch völkerverbindend, dachte ich mir. Was meinen Optimismus trübt, sind homophobe und rassistische Sprechchöre in den Stadien. "Diego, du Schwuchtel", erschallte es, weil viele dem gebürtigen Brasilianer Diego Costa nicht verzeihen, dass er jetzt einen spanischen Pass hat. Rio bemüht sich: In Fanzonen werden Sticker verteilt: "Diskriminierung ist ein Eigentor". Beim Brasilien-Mexiko-Spiel hat die Polizei zwei Argentinier verhaftet, weil sie Brasilianer rassistisch beschimpft hatten. Eh gut, wenn Rassisten bestraft werden. Blöd, dass es nur passiert, wenn die aus dem Land des Erzfeindes Argentinien kommen.


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