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Dylanologenalarm in der Wiener Stadthalle

Lexikon | GS | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Natürlich, seine Verdienste sind unbestritten. Unter all den coolen Hunden, die die US-Rock-'n'-Roll-Kultur der 1960er hervorgebracht hat, war er mit großer Wahrscheinlichkeit der allercoolste, ein unglaublicher Songwriter und ein fantastischer Interpret. Nur ist Bob Dylan irgendwann halt ein wenig schrullig geworden. Gleichzeitig war er dann nicht mehr in erster Linie ein Musiker, sondern eine Art Heiligengestalt. Angehörigen der Religionsgemeinschaft, die diese Heiligengestalt verehren, nennt man Dylanologen. Ihnen gilt der 73-Jährige als unantastbar -wie Heiligengestalten das nun einmal an sich haben. Spielt Dylan etwa ein, freundlich formuliert, durchwachsenes, etwas direkter ausgedrückt: erratisches, musikalisch biederes und über weite Strecken schlicht langweiliges Konzert, wie das bei seinem letzten Wien-Besuch 2008 der Fall war, geben sie sich trotzdem begeistert. Und reagieren auf diese Einwände mit fassungslosen Blicken. "Aber warum?", heißt es dann. "Es war doch Bob Dylan, der da auf Bühne stand, und es waren seine Songs!" Der langen Rede kurzer Sinn: Ein gewisser Hang zum Dylanologischen ist gewiss hilfreich, um Dylan live auch 2014 noch toll finden zu können.

Wiener Stadthalle, Sa 19.30


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