Literatur Tipp

"Letzte Tage" mit Musik: Steinhauer liest Kraus

Lexikon | SF | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Zusammen mit den Musikern Georg Graf, Pamelia Kurstin, Joe Pinkl und Peter Rosmanith bringt Schauspieler Erwin Steinhauer Karl Kraus' großes Drama auf die Bühne. Es ist für ihn ein Herzensprojekt, über das er sagt: "Es gibt Schriftsteller, die einen ein Leben lang begleiten. Kraus gehört für mich dazu. Ich kann ,Die letzten Tage der Menschheit' immer wieder aufschlagen und Szenen daraus lesen." Eben jene "Letzten Tage" hat Steinhauer für den Mandelbaum Verlag als Klangbuch aufgenommen, das dieses Wochenende nun zwei Live-Aufführungen im Theater in der Josefstadt erfährt. Es ist nicht das erste Mal, dass Steinhauer sich mit dem Werk beschäftigt: Bereits 1995 hat er aus dem immer noch ungemein aktuell wirkenden Weltkriegs-Drama gelesen, als Dramaturg stand ihm damals wie heute Franz Schuh zur Seite. Gemeinsam haben sie sich darum bemüht, in zwei Stunden eine gute, repräsentative Auswahl an Szenen aus den "Letzten Tagen" zu geben, mit denen sich auch zehn Abende füllen ließen: "Wir wollen zeigen, wie die Menschen sich während des Ersten Weltkriegs im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode redeten. Wichtig war uns, dass in der Auswahl der Szenen das gesamte soziale Spektrum mit allen Schichten vorkommt." Es drückt sich in Steinhauers Vortrag in einem laufenden Wechsel an Tonlagen und zwischen Hochsprache und Dialekt aus.

"Wenn ich vortrage, so ist es nicht gespielte Literatur. Aber was ich schreibe, ist geschriebene Schauspielkunst", so Kraus. Steinhauers Kollegen fügen dem noch die Musik als weitere Ebene hinzu. "Die Zwischenstücke sollen eine Erleichterung sein und machen die Texte manchmal erst erträglich", so der Schauspieler. Und sie ermöglichen es dem Zuhörer, einmal durchzuschnaufen, bevor ihn die mächtige Sprache von Karl Kraus in der nächsten Szene wieder packt.

Theater in der Josefstadt, Sa, So 19.30


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