Mit Ecken und Kanten

Der Architekt Helmut Richter war seiner Zeit voraus und prägte eine ganze Generation

Feuilleton | NACHRUF: JAKOB DUNKL | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Herbst 1993: Helmut Richter war auf dem Höhepunkt seines Schaffens, die gläserne Schule am Kinkplatz in Wien-Penzing befand sich in der Rohbauphase. Als Projektleiter fuhr ich mit Helmut im Taxi auf die Baustelle. Der Taxler fragte, ob wir eh zu jenem Rohbau wollten, wo die Betonstützen so besonders dünn sind. Da war ich mir sicher, das wird ein besonderes Werk. Bereits der Rohbau der Klassentrakte war an kühner Schlankheit nicht zu übertreffen. Die filigrane, spektakuläre Stahlkonstruktion des Turnsaals war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal zu erahnen.

Drahtig wie die Statur des Architekten, ungewöhnlich und lichtdurchflutet sollte das Gebäude werden. Keinerlei Erinnerung an die finsteren Gänge oder muffigen Räume der Schulbauten aus unserer Schulzeit würde diese Schule aufkommen lassen.

Stolz war ich und glücklich, an diesem Werk mitarbeiten zu dürfen. Doch bereits während des nächsten Baustellentermins zweifelte ich an der Sinnhaftigkeit unserer Arbeit. Da standen sie


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