Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Um die Throne herrscht Schweigen Das von Peter Fischer herausgegebene Buch "Reden der Französischen Revolution" gilt als absoluter Rhetorik-Klassiker, der die Bücherregale unzähliger Politiker schmückt. Das Werk beginnt mit einer Einleitung über die politische Rhetorik und die Geschichte der Französischen Revolution, danach folgen Texte der wichtigsten Redner des Umsturzes von Weltgeltung (etwa Danton, Marat, Robespierre, Saint-Just).

Der Aufstieg und Fall der Girondisten und der Jakobiner lässt sich dabei so dramatisch verfolgen wie der Siegeszug des blinden Radikalismus, der Despotie und der Paranoia, die Rede für Rede immer mehr die Oberhand gewinnen.

Bis heute werden rhetorische Figuren aus diesem Buch in Parlamenten auf der ganzen Welt verwendet (siehe auch große Rezension). Robespierre erweist sich als Vorbild für jeden Demagogen, wenn er spricht: "Die Verteidiger der Republik nehmen Cäsars Grundsatz an; sie glauben, dass man noch nichts getan habe, solange noch etwas zu tun übrig sei." Mit Worten wie diesen lässt sich fast jeder Forderung, sei sie noch so radikal, Nachdruck verleihen.

Die Buchrückseite schmückt ein Zitat von Saint-Just, das durchaus würdig ist, für das ganze Werk zu stehen: "Haben Sie Redner gesehen unter dem Zepter der Könige? Nein. Um die Throne herrscht Stillschweigen; nur bei den freien Völkern hat man das Recht geduldet, seine Mitbürger zu überreden." WZ

Peter Fischer (Hg.): Reden der Französischen Revolution. dtv, 452 S., ab € 3,-


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