Kunst Kritik

Die Geometrien zum Tanzen bringen

Lexikon | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Das Schwarzweiß-Foto in ihrem Mitgliedsausweis zum "Verband der geistig Schaffenden" zeigt die Künstlerin 1947 mit Bluserl und Trachtenjacke. An dem Porträt lässt sich ermessen, dass der Weg in die geometrische Abstraktion für die 1909 geborene Hildegard Joos kein einfacher gewesen sein dürfte. Die frühesten Arbeiten der sehenswerten Retrospektive im Künstlerhaus entstanden 1943 und zeigen Waldstücke. Die Ölgemälde mit Hafenansichten einige Jahre später fielen schon expressiver aus; danach eiferte sie in den 1950er-Jahren mit religiösen Motiven und schwarzen Umrisslinien dem Maler Georges Rouault nach.

Ende der 1950er-Jahre zieht die Künstlerin mit ihrem Mann nach Paris, wo sie auch beginnt, ungegenständlich zu malen. Im Jahr 1958 erhielt Joos als erste Frau eine Einzelausstellung in der Secession. Bis zu welchem Grad sich Harold Joos an ihrer Malerei beteiligte, wird nicht ersichtlich, aber ab 1980 sind die Werke mit "H+H Joos" signiert.

Aus der ersten Pariser Zeit ist ein Bilderzyklus mit asymmetrischen Vielecken in Grau zu sehen. Gleichzeitig entstanden die "Gebetsteppiche", kleine vielfarbige Papierarbeiten, die schon die Fährte zu Joos' Beschäftigung mit dem Ornament als Quelle der Abstraktion legen. Mit der konstruktiven Gemäldereihe "Balancen" findet die Malerin ab 1969 den Weg in die Op Art, mit der sie geometrischen Formen die Illusion von Bewegung verleiht. Ende der 70er-Jahre reizten sie Schachbrettmuster, später folgten die "Narrativen Geometrien". Joos beeinflusste heimische Maler wie die Neo-Geo-Künstler; sie malte bis wenige Tage vor ihrem Tod im Alter von 95 Jahren. NS Künstlerhaus; bis 13.7.


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