Im Zweifelsfalle mit Knarre im Dekolleté

Die Dokumentarfilmerin Barbara Kopple ist in Wien zu Gast, wo das neue Festival "Framing Reality" ihre Arbeiten zeigt

WÜRDIGUNG: MICHAEL OMASTA | Feuilleton | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Es wäre verrückt, hier draußen keine Knarre dabeizuhaben, meint Lois Scott, die Frau eines Bergarbeiters, und zieht einen Revolver aus ihrem Dekolleté. In Brookside, Kentucky, wird gestreikt, und das seit über einem Jahr. Politik, Kirche und Gewerkschaftsführung haben sich alle längst auf die Seite der Duke Power Company geschlagen, der im Kampf gegen die mies bezahlten Kumpel schlicht jedes Mittel recht ist: sogar Mord.

Barbara Kopple, damals noch Studentin, ist eine der wenigen, die sich für diesen eskalierenden Arbeitskampf interessieren. Mit ein paar Hippiefreunden und bei ihren Eltern und Großeltern geschnorrtem Geld realisiert sie den Film "Harlan County, USA", der sie über Nacht berühmt macht. Bei den Academy Awards 1977 überreichen Schauspielerin Jane Fonda und die legendäre Autorin Lillian Hellman der 30-jährigen Regiedebütantin einen Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Wie mehrere Szenen beglaubigen, geriet das Team während der Dreharbeiten wiederholte Male in

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