Noch mehr Freiraum

Das Multi-Lokal auf der Mahü eröffnete vorige Woche gleich daneben ein Deli

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Es hat mir nicht immer alles getaugt, was die Freiraum-Macher im Laufe der Jahre so hingestellt haben. Ihr erstes Großlokal, das Rochus, war mir zu poppig, die gnadenlos kommerzielle Ausrichtung ging mir auf die Nerven. Ihr nächstes Megaprojekt, das Freiraum, ein Disneyland der Gastrostile, empfand ich als verwirrend, aber immerhin war da schon ein gewisser Wunsch zu Qualität, zu kreativer Rezeptur und zu Selbstgemachtem zu erkennen, phasenweise kochte hier sogar Bernie Rieder, und da war’s richtig gut.

Christoph Wagner und Sascha Adzic vor drei Jahren auch das Aumann zu unterstellen, war übrigens falsch, denn selbst wenn Konzept und Design nahezu ident mit dem von Rochus und Freiraum waren, so hatten die beiden dennoch kaum etwas damit zu tun. Auch beim – allerdings schon ziemlich interessanten, nachhaltig angelegten und auch guten – Fischerhaus an der Höhenstraße waren sie nur beratend tätig.

Was jedenfalls – sogar für mich – festzustellen war, war der Umstand, dass sich die beiden über die Jahre qualitativ weiterentwickelten. Und vorige Woche machten sie ein Deli auf, das weder groß noch kommerziell erfolgversprechend ist, an dessen Konzept sie zwei Jahre gearbeitet hätten, so Wagner, und das ganz ihrer eigentlichen Philosophie entspräche: „Das Freiraum hat einen kaufmännischen Aspekt, das Deli ist unsere Verwirklichung.“

Alle Achtung! Sie dachten lange über Take-away sowie Minimierung beziehungsweise Vermeidung von Verpackung nach, darüber, wie man unverwechselbar und unnachahmbar werden könne, nämlich indem man quasi alles und auf höchstmöglichem Niveau selber macht, sie experimentierten mit Rezepturen, die ohne Farb- und Konservierungsstoffe auskommen, ohne Emulgatoren, sie rösten seit geraumer Zeit ihren Kaffee selber, backen selber Brot.

Das Ergebnis dieser Studien ist ein in Braun und Naturfarben gehaltenes Straßenlokal mit einer Kühlvitrine, in der hausgemachte Eislutscher ziemlich verführerisch präsentiert werden (etwa ein großartiges Erdbeer-Basilikum-Eis, € 3,20), mit einer anderen, in der kleine Küchlein in Schachterln auf Verzehr warten, einer dritten, in der gefüllte Pitabrote und Quiches liegen, und noch weitere Displays für Salate, Fruchtcremes und hausgemachte Säfte. Pita mit „Crispy Chicken“ war ein bisserl fad, muss man sagen (€ 4,80), die vegetarische Spinat-Ricotta-Quiche dafür sehr gut und saftig (€ 3,80). Auch der Rote-Rüben-Salat mit Ziegenkäse konnte was (€ 4,60), das Schüsselchen mit in Kokosmilch gequollenen Chia-Samen und Mangopüree schmeckte wirklich großartig (€ 3,80).

Insgesamt ist das jedenfalls ein ziemlich smartes Konzept und immerhin das erste nennenswerte neue Lokal an der Mahü-Fuzo. Es ist hübsch und hat qualitativen Anspruch. Na also. Mehr solche, bitte!

Resümee:

Das erste neue Lokal an der Mahü-Fuzo liefert exzellentes Take-away-Essen, selbst gemachte Säfte und guten Kaffee. Darf bleiben.

Freiraum Deli
6., Mariahilfer Str. 117
Mo–Sa 8–21 Uhr
www.freiraum-deli.at


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