Mediaforschung Verführungskolumne

Darf der Herr zur Werbeikone für einen Wettanbieter werden?

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Man kann ja von der Kirche halten, was man will, aber Jesus war schon schwer okay. "Liebt eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen", soll der bärtige Pazifist aus Betlehem einmal gesagt haben. Weil mehr von den Sagern des Liebesmissionars in der Bibel überliefert sind, hat sich das Heilige Buch so gut verkauft wie kein anderes in der Geschichte der Menschheit. Und die Bilanz der katholischen Kirche bleibt trotz aller Skandale nicht zuletzt wegen dem Jesus-Faktor positiv.

Der Heiland als Testimonial zieht, das hat nun auch der Web-Wettanbieter bet-at-home.com überlauert. Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien spielt im aktuellen Werbespot Cristo Redentor (Christus der Erlöser) die Hauptrolle, jene berühmte weiße Statue, die über Rio de Janairo wacht. Ein Komet in Form eines Fußballs kommt angeflogen, Cristo Redentor nimmt ihn mit der Brust und gaberlt ihn noch einmal hoch, bevor er ihn volley zurück ins All donnert. Christus, der Retter, spielt da.

Einen religiösen Helden für Kommerzzwecke ausschlachten, noch dazu für so etwas Frevelhaftes wie Glücksspiel -darf man das? Riskiert man da nicht, religiöse Gefühle zu verletzen? Und ist der Werbebranche gar nichts mehr heilig?

Daniel Gantner von der verantwortlichen Agentur gantnerundenzi sieht's gelassen: "Man darf alles. Der Zeit ihre Werbung. Der Werbung ihre Freiheit." Es gelte das Motto: No risk, no fun. "Außerdem habe ich einmal gelesen: Jesus war auch nur ein Mensch, und der Papst ist Fußballfan."


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