Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Ix, Ypsilon, ZZ

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 26/14 vom 25.06.2014

Es war zweifellos die Ausgabe des Thomas Seifert, zumindest, was den Politikteil betrifft. Zuerst setzte er sich mit dem Mythos der "Generation X" auseinander, dann machte er mit dem Amt des Bundespräsidenten kurzen, nein, drei Seiten langen Prozess. Unter dem Titel "Weg mit dem Mann, weg mit dem Amt?" wurde die tiefe Krise des Mannes in der Hofburg panoramaartig gemalt. Das Resümee fiel versöhnlich aus. "Die Zeiten für Ersatzkaiser und Monarchen haben sich eben geändert: ,Echte' Königshäuser erfüllen - das Beispiel England beweist es - vor allem eine Unterhaltungsfunktion als Skandallieferanten. Und der österreichische Bundespräsident befindet sich auf dem besten Weg dorthin."

Klestil war sozusagen das Ypsilon auf dem Titelblatt. Das Bild bekam "the little ol' band from Texas", ZZ Top. Deren Porträt garnierte Chris Duller mit einem "Bärte-Kasten": Maler Ernst Fuchs, Satanist Josef Dvorak, Komponist Gottfried von Einem und Extraplatte-Chef Julian Schönfeld bekamen die gleichen drei Fragen vorgesetzt: "a) Welches Verkehrsmittel benützen Sie? b) Spielen Sie ein Instrument, wenn ja, welches? c) Ihre Lieblingsmusikgruppe?"

Nach den jeweiligen Antworten gab Duller "die richtige Antwort":"a) Harley Davidson b) Gitarre und/oder Bass c) ZZ Top".

Fehlt das X, und das lieferte Seifert mit seinem großen Trendbericht über "die Welt der 20-bis 30-Jährigen". Der sollte eine ganze Generation charakterisieren, Ältere und Vermarkter sind auf so was zu allen Zeiten wild, aber schon damals dämmerte nicht nur Seifert die Einsicht: "Die Xer, wie sie genannt werden, lehnen Generalisierungen ab und halten den ganzen Wirbel darum für ein Riesenmissverständnis."

Außerdem: "Die Eltern der Generation X zeigen sich mit ihren Sprösslingen unzufrieden: Sie seien zu wenig politisch, hätten kaum Ideale, für die sie sich einsetzen, lautet der Vorwurf, den Alt-68er-Professoren ihren Studenten und antiautoritäre Eltern ihren Kindern machen." Wie's diesen "lahmen Jammerlappen" wohl heute geht? Lieber nicht nachfragen!


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