Kunst Kritik

Der Glanz der Gabel des Gondoliere

Lexikon | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014

Jahrhunderte handwerklicher Intelligenz waren nötig, um der Forcola ihre finale Form zu geben. Der spanische Kurator Pablo Lafuente präsentiert die Paddelgabel venezianischer Gondolieri in einer Vitrine seiner Ausstellung in der Secession, als Beispiel seines wählerischen Blicks auf Objekte. Die Ausstellung "A Singular Form" versammelt Werke von Künstlerhand und solche, die von anonymen Produzenten stammen. Zu sehen ist etwa der Holztrog chilenischer Indigener oder der Löffel, den die Künstlerin Nicole Wermers für eine Londoner Museumscafeteria gestaltete.

Lafuentes Konzept schließt an eine Leitidee der modernen Kunst an. Künstler des Blauen Reiter oder André Malraux in seinem Buch "Das imaginäre Museum" stellten Bilder und Skulpturen westlicher Künstler außereuropäischen oder vormodernen Kultobjekten gegenüber. So sollte die magische Bedeutung von Objekten und die Kunstproduktion von Nicht-Künstlern gewürdigt werden.

An diese Debatten knüpfte etwa das von Lafuente ausgewählte Fotoprojekt von Gérard Franceschi und Asger Jorn an, die in den 1950er-Jahren nordische Volkskunst dokumentierten. Die entsprechenden Fotokontaktbögen sind auf einer Reihe von Holztischen, die von Dustin Ericksen gestaltet wurden, ausgebreitet. Einen weiteren Akzent setzt Lafuente auf das Thema Reproduktion. Die Wahrnehmung von Objekten wird ja nicht nur von deren ästhetischer Beschaffenheit, sondern auch durch ihre mediale Darstellung bestimmt. Hilary Lloyd macht das deutlich, indem sie eine antike Skulptur unter unterschiedlichen Lichtverhältnissen filmte und diese Filme einander gegenüberstellt. In "A singular form" hat ein vielgereister Bildungsbürger seine Sammlung ausgebreitet. Es ist eine elegante Inszenierung, die auf Erklärungen verzichtet und sich auf das Geschmacksurteil des Kurators verlässt. MD Secession, bis 24.8.


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