Geld, Gürtel, T-Shirt

Der inhaftierte kasachische Botschafter, Rakhat Aliyev beklagt Übergriffe und Erpressungen in der Justizanstalt Josefstadt

Politik | BERICHT: FLORIAN KLENK | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014

Vergangene Woche erreichte die Leiterin der Justizanstalt Josefstadt ein barsches Schreiben. "Liebe Frau Hofrätin", schrieb Rechtsanwalt Manfred Ainedter an Anstaltsleiterin Helene Pigl: "Namens meines Mandanten möchte ich Ihnen hiermit zur Kenntnis bringen, dass dieser am 16.6. in seiner Zelle (von vier Insassen, Anm.) aufgesucht wurde, welche in aggressivem Ton Geld von ihm forderten. Darüber hinaus nahm ein Insasse meinem Mandanten einen Gürtel und ein T-Shirt weg. Wie Ihnen bekannt ist, kam es am Samstag, den 21.6.2014, gegen 10 Uhr neuerlich zu einem ähnlichen Vorfall in der Zelle meines Mandanten."

Die Beschwerde eines beraubten U-Häftlings wäre in Wien noch nichts Außergewöhnliches. Die Haftbedingungen sind hier bekanntlich trist. Ainedters Mandant ist aber ein prominenter Insasse, der besonders geschützt werden sollte: Rakhat Aliyev, ehemaliger kasachischer Botschafter in Wien (und einst Mandant von Justizminister Wolfgang Brandstetter).

Er sitzt in U-Haft, weil er zwei Banker der Nurbank ermordet haben soll. Aliyevs Schergen sollen die Männer in Kalkfässern entsorgt haben.

Ob die von den zwei Witwen geäußerten Vorwürfe stimmen, klärt nun die Justiz. Sie arbeitet sich gemächlich durch einen Berg von Geheimdienstunterlagen, die die emsigen Anwälte der angeblichen kasachischen "Opfer" vorgelegt haben. Leicht ist das nicht, denn viele Dokumente in diesem verworrenen Fall wirken gefälscht.

Fest steht bislang nur, dass der kasachische Despot Nursultan Narsabajew alles geben würde, um seinen Ex-Schwiegersohn Aliyev einzulochen. In Wien unternahmen Agenten des Geheimdienstes KNB Entführungsversuche, Wiener Polizisten wurden verurteilt, weil sie geheime Daten Aliyevs an kasachische Agenten verkauft hatten.

Die Justizanstalt Josefstadt hat nun angeordnet, dass Aliyev in einem versperrten Haftraum anzuhalten ist. Zu zweit, denn er gilt als selbstmordgefährdet.


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