Kommentar USA

Das New Yorker 9/11 Memorial: wo Teufel gegen Engel kämpfen

Falter & Meinung | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014

US-Präsident Barack Obama nannte den Ort "heilig" und eröffnete ihn unter Tränen: 13 Jahre nach 9/11 kann direkt am Ground Zero nun ein Museum besucht werden, das die Terroranschläge für die Besucher aufrollt.

Viele Proteste begleiteten das 9/11 Memorial Museum, vor allem der Beschluss, die nicht identifizierten Überreste der Toten in diese Gruft zu bringen. Ihr Grabmal sollte nicht Annex einer Sehenswürdigkeit mit Café und Souvenirshop werden.

Aber ist hier wirklich eine touristische 9/11-Gruseltour samt Friedhof entstanden? Nein, auch wenn die Inszenierung auf Emotionen abzielt. Schon die abgespielten Stimmen aus den Türmen und den Flugzeugen lassen niemanden kalt. Dabei erstaunt es, wie wenig Patriotismus hier vorherrscht.

Nicht dass sie Amerikaner waren, macht den Tod der Opfer so furchtbar, sondern deren Unschuld. Die New York Times nannte die Schau eine "Geschichte von Engeln und Teufeln" und meinte damit auch die vielen Heldengeschichten und Relikte todesmutiger Helfer. Und die Teufel? Sie werden nur als Rädchen in einer Maschinerie des Bösen dargestellt. Die siebenminütige Doku "The Rise of al-Qaeda" liefert rohe Fakten, zwar korrekt, aber ohne jeden Kontext.

Die Kalter-Krieg-Politik der USA in Afghanistan streift das Museum ebenso oberflächlich wie die 9/11-Verschwörungstheorien. Erst die Zukunft kann den Wert dieses nichtstaatlichen Memorials, das übrigens die Ex-Direktorin des Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C., Alice M. Greenwald leitet, zeigen: Wird es auch die Sünden der US-Außenpolitik aufgreifen oder bloß den verwundeten US-Stolz zeigen?


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