Alles muss raus!

Man muss nicht die Stadt verlassen, um es im Freien schön zu haben: Wiens tollste Gast-und Schanigärten

Stadtleben | BEGRIFFSKLÄRUNG: CHRISTOPHER WURMDOBLER FOTOS: CHRISTIAN WIND | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014


Villa Aurora - Predigtstuhl (Foto: Gerhard Wasserbauer)

Villa Aurora – Predigtstuhl (Foto: Gerhard Wasserbauer)

Es ist nicht ganz klar, woher der Wiener Name „Schanigarten“ kommt für das Stück öffentlicher Raum vor einem Lokal, das im Sommer mit Möbeln, Sichtschutz, Schirmen und Kübelpfanzen vollgeräumt wird. Es heißt, im 18. Jahrhundert habe ein Graben-Wirt namens Gianni erstmals das Inventar seines Lokals auf die Straße gestellt und so „Giannis Garten“ erfunden. Es gibt Geschichten vom Hilfskellner Hans, den der Chef anwies: „Schani, trag den Garten außi.“ Und so weiter.

Der Sommer ist da und alles muss raus. Früher vertschüssten sich Wiener Lokalbesitzer in der umsatzschwachen heißen Zeit in die Ferien. Heute lassen sie ihre Cafés auf die Straße wachsen. In Bestlagen zahlen sie dafür € 7,50 pro Quadratmeter und Monat; in weniger exquisiten Lagen nur € 1,–. Mittlerweile hat sich ein ganzes Geschäftsfeld um die temporären Gast- und Schanigärten gebildet. Zimmerleute bauen an einem Tag Terrassen auf, Architekten denken sich Wände aus Glas aus, die klarstellen sollen, wo die konsumfreien Zonen zu Ende sind und Gärtnereien beliefern Straßenlokale mit Grünzeug.


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