WM-Tagebuch Ballnotizen

Das Volk, das Spiel und das Leiden an allem

Stadtleben | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wurde während des WM-Eröffnungsspiels, in dem "ihre" Nationalmannschaft die Gäste aus Kroatien wenig zuvorkommend 3:1 besiegte, ausgebuht und angepöbelt. Rousseff ist so einiges gewohnt, die Folterknechte der Militärdiktatur arbeiteten sich vor 30 Jahren an ihr ab. In ihrer Karriere als Bürochefin und Nachfolgerin des populären Arbeiterpolitikers und Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva brachte ihr der Widerstand gegen die Generäle Sympathie und Glaubwürdigkeit ein. Doch ihr polizeiintensiver Umgang mit den Protesten gegen die WM, die Verwendung öffentlicher Gelder für Protzstadien, die Vertreibung Hunderttausender aus ihren Häusern und die Steuerprivilegien der Fifa haben sie in den Augen der Brasilianer diskreditiert. Rousseff schmollt und meidet die WM. Eine Beleidigung des Volkes seien die Schmähungen gegen sie, hieß es aus ihrer Umgebung. Hat da jemand vergessen, wer das Volk ist? F


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