Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Auf der sicheren Seite halt

Steiermark | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014

El Lissitzky war ein Großer der russischen Avantgarde, strotzte nur so vor Ideenreichtum - vor einiger Zeit war im Grazer Kunsthaus eine Ausstellung von ihm zu sehen. Mit seinen Entwürfen, so wurde verlautbart, bestimmte er das Formenvokabular einer Zeit des Aufbruchs. Derzeit dominieren im Kunsthaus die Schaumstoffgebirge der deutschen Malerin Katharina Grosse. Eine Leinwand reicht ihr nicht, sie trägt ihre Farben dort auf, wo es ihr passt -"brutal, direkt, evolutionär".

Die Verantwortlichen von Kunsthallen und Museen wollen uns mit ihren Ausstellungen, so die berechtigte Hoffnung, auch etwas sagen. Wir meinen zu vernehmen, dass sie uns durch die gewagten Formen und Farben hindurch zuflüstern: Traut euch was, denkt die Welt neu!

Letzte Woche wurde bekannt, dass Michael Schunko das Kunsthauscafé übernehmen wird, das kommendes Jahr in neuer Lage zum Südtirolerplatz hin eröffnen wird. Schunko ist als Gastronom stadtbekannt, er führt das Eckstein und das Café auf dem Dach des Kastner &Öhler. Es sind schicke Lokale, zweifelsfrei professionell, sicher aber nicht unkonventionell geführt. Mit der Entscheidung zu seinen Gunsten haben sich die Kunsthaus-Verantwortlichen nicht zuletzt wirtschaftlich auf die sichere Seite begeben -kein wackelndes Tablett wird gar einen Touristen verschrecken, seine Pacht wird der erfahrene Gastronom stets pünktlich abliefern.

Dabei hatte sich das Kunsthaus mit den derzeitigen Betreibern, der "Luise im Kunsthaus", erst unlängst erfrischend locker gemacht. Mit der aktuellen Gastronomenwahl kehrt der Wagemut aber wieder in die Ausstellungsräume zurück.


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