Die Nachtträume eines Psychiaters

Wir werden nicht gehört. Unsere Besorgnis wird von der Justiz verdrängt. Gedanken zu den Bildern eines verwahrlosten Insassen aus Stein

Politik | ESSAY: PATRICK FROTTIER | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014

Nur noch selten erwache ich nachts aus einem Traum, der mich in frühere Zeiten versetzt: Ich träumte, ich wäre noch verantwortlich für Entscheidungen, ob psychisch gestörten Straftätern Freiheiten gewährt werden sollen oder nicht. Habe ich etwas übersehen? Oder zu strenge Maßstäbe angelegt? Würden die Tagesmedien von einem Rückfall berichten oder eine andere Katastrophe erwähnen, die ich zu verantworten habe?

Im Nachhinein betrachtet hielten sich meine Irrtümer in Grenzen. Nicht, dass es in dieser Zeit keine Rückfälle gegeben hätte, es wäre eine juristisch unberechtigte und fachlich illusorische Forderung gewesen. Auf einer Intensivstation sterben Menschen, in der Justiz werden Menschen rückfällig. Aber die großen Katastrophen der Geschichte des österreichischen Maßnahmenvollzugs, die Tötung eines Kindes durch einen Straftäter während des Freigangs im Jahr 1993 oder die Tötung einer Therapeutin in der Justizanstalt durch einen Häftling in seiner Therapie zwei


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