Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 27/14 vom 02.07.2014

Spiegelschauen macht glücklich. Das sieht man derzeit in den WM-Stadien, wenn die Kamera auf das Publikum zoomt. Sobald die Anvisierten ihr Ebenbild auf der Stadionleinwand entdecken, beginnen sie zu tanzen und zu lachen. Nur einer reagiert unfreundlich. Fifa-Präsident Joseph Blatter blickt durchwegs mürrisch in die Kamera, was verständlich ist. Immer wenn sein Kopf auftaucht, wird er vom Publikum ausgepfiffen. Blatter gilt nämlich als Symbolfigur des schamlosen Fifa-Business.

Blatter sollte für all jene ein Vorbild sein, die die fünf Sekunden Ruhm zur Selbstverleugnung treibt. Melancholische Griechinnen oder selbstmordgefährdete Mexikaner, denen die drohende Niederlage ins Gesicht geschrieben steht, können wegen einer TV-Kamera doch nicht einfach zur Grinsekatze werden. Der unbeliebte Funktionär verhält sich wie jemand, der morgens verkatert in den Spiegel blickt. Und vernimmt, wie in ihm drinnen ein ganzes Stadion buht.


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