In der Manege des Wanderzirkus

Das EU-Parlament in Straßburg war einst Symbol für den Frieden. Heute frustriert es Abgeordnete und verschlingt 180 Millionen Euro im Jahr. Soll es trotzdem bleiben?

Politik | Stadtporträt: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Im Zentrum der Macht riecht es nach Möbelhaus, und das liegt an den samtigen Sesseln, die nur vor und zurück rollen, aber niemals seitwärts. Drei Putzfrauen rücken Kopfhörer zurecht und stapeln liegengebliebene Zettel zu Stößen. Sie wirken wie Statisten am Set eines Science-Fiction-Films, hier in diesem runden Saal, in dem jeder Platz ein Display hat und das Neonlicht durch Lamellen flutet. Es ist Donnerstag, der dritte Tag der europäischen Entscheidungen, und bereits um 15 Uhr ist das EU-Parlament in Straßburg wie leergefegt.

Zwei Tage davor hat es hier gewimmelt wie in einem Bienenstock, es war die erste Plenarsitzung des neuen Parlaments und die Fotografen belagerten den deutschen Sozialdemokraten Martin Schulz, der als EU-Parlamentspräsident wiedergewählt wurde. "Dieses Parlament ist einzigartig", hatte Schulz in seiner Wahlrede gesagt. Aber es war kein Bekenntnis zu diesem Gebäude, nein, Schulz meinte bloß die Institution. Mit dem Parlament in Straßburg lässt sich keine


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