Herkules im Massengrab

Unzählige Ausstellungen befassen sich mit dem Ersten Weltkrieg. Aber lassen sich Tod und Trauma überhaupt darstellen? Ein Führer durch den musealen Krieg gegen den Krieg

Feuilleton | Frontbericht: Matthias Dusini | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Einer zischt ein nicht abreißendes "Ssss" wie eine Dampfmaschine, der zweite knurrt "Grrrr", der dritte heult ein markdurchdringendes "Muuuh". So beschreibt ein Augenzeuge eine Performance in der Züricher Künstlerkneipe Cabaret Voltaire im März 1916. Aus ganz Europa waren jene Dichter und Maler, die dem Krieg den Krieg erklären wollten, in die neutrale Schweiz geflüchtet.

Die Internationale der Dissidenz verhöhnte mit ihren Dada genannten Provokationen das hohle Pathos. "Wir danken dir, wir danken dir / Herr Kaiser für die Gnade / Dass du uns zum Sterben erkoren hast", heißt es in einem der öffentlich vorgetragenen Gedichte. "Ein paar Kilometer von Zürich entfernt konnten wir die Granaten hören", erinnert sich der rumänische Künstler Marcel Janco (1895-1984), einer der Dada-Akteure. "Wir brachten den Protest gegen das Versagen der europäischen Kultur, das zum Krieg geführt hatte, auf die Bühne des Cabaret Voltaire."

Die fahnenflüchtige Boheme um die Rädelsführer Hugo Ball


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