Meinesgleichen

Wie Tex Rubinowitz zum Falter kam

Falter & Meinung | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Tex Rubinowitz bringt seine Behauptungen mit dem frechen Gesichtsausdruck eines Menschen vor, der ertappt werden will, aber weiß, dass ihm seine Gegenüber ohnedies alles abkaufen. Zum Beispiel behauptete er in einem ORF-Interview nach dem Gewinn des Bachmannpreises, er habe nie etwas mit Comics am Hut gehabt. Das ist unwahr, und sein Gesprächspartner wusste es besser. Vor ziemlich genau 29 Jahren schickte ein unbekannter junger Mann dem Falter eine Zeichnung. Einen Comic-Strip. Offensichtlich hatten ihn in der Programmbeilage Heft veröffentlichte Comics von Stefan Stratil bis Rudi Klein (damals nur Klein) dazu angeregt. Verantwortlich für das Falter-Programm damals neben anderen: Tex-Interviewer Christian Ankowitsch.

"Zucchini, das fieseste Gemüse der Welt" lautete der Titel. "Eine Abrechnung von Tex Rubinowitz." Wir hängten das Blatt im Gang auf. Die Hälfte der Redaktion fand es großartig, die andere konnte nicht lachen. Mit den Jahrzehnten wuchs die erste Hälfte, die zweite schrumpfte ständig. Tex legte noch einige Comics nach ("Die düstere Welt des Doktor Duwack"), verlegte sich dann mehr auf Einzelzeichnungen, aber seinen Comic-Strip "Wilbur" kann man bis heute in der Falter Woche bewundern. Es mit der Wahrheit genau zu nehmen ist keine Bedingung, um ein großartiger Humorist zu sein. Genial bluffen zu können, schon eher. Und wer möchte schon Bluff von Genie unterscheiden? Ich gratuliere Tex Rubinowitz ganz herzlich zum Gewinn des Bachmannpreises.

Quelle:

Zucchini, das fieseste Gemüse der Welt, Falter 16/1985

Es war die 200. Ausgabe des Falter, vorausgesetzt, wir haben uns nicht verzählt. Seither sind ca. 2200 weitere erschienen, kaum eine von ihnen ohne Tex


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