Die Stadt als die bessere Mutter

Die Historikerin Gudrun Wolfgruber zeichnet die Geschichte der Jugendarbeit in Wien nach

Politik | Rezension: Ruth Eisenreich | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Ignorieren, Strafen, Kontrollieren, Beraten: Wie sie mit ihren Schwächsten umgeht, sagt bekanntlich viel über eine Gesellschaft aus. Das zeigt auch die 2013 als Buch erschienene Dissertation der Historikerin Gudrun Wolfgruber über die Geschichte der Wiener Jugendwohlfahrt, für die die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Wilhelminenbergkommission historische Quellen sichtete und Zeitzeugen interviewte.

Wurden arme Familien und ihre Kinder um 1900 nur individuell durch ehrenamtliche, bürgerliche "Armenräte" unterstützt, kümmerten sich ab den 1910er-Jahren und verstärkt im "Roten Wien" ab 1919 immer mehr auch Staat und Stadt um sie: "Als Magna Mater symbolisierte die Gemeinde Wien nun selbst [das] Modell von Familie und Mütterlichkeit".

Die Sozialdemokraten sahen die Gesellschaft in der Pflicht, "allen Hilfsbedürftigen Hilfe zu gewähren". Als Ideal galt die kleinbürgerliche Familie, die Hilfe schlug besonders bei ledigen Müttern in Bevormundung und Kontrolle um. Der Begriff der


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