Kommentar RSO-Chef Scheibs Vertrag nicht verlängert

Das rätselhafte Ende eines erfolgreichen Orchesterchefs

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Christian Scheib leitete die letzten fünf Jahre als Manager das Radio-Symphonieorchester (RSO) des ORF. Scheib war zuvor Musikchef des Senders Ö1 und hatte den Job des RSO-Leiters glänzend bewältigt. Das darf man sagen, ohne zu verschweigen, dass Christian Scheib einst als Musikkritiker in diesem Blatt begonnen hat. Das Profil des Orchesters als Klangkörper der Moderne und der zeitgenössischen Musik, aber auch als Ensemble, das imstande ist, moderne, schärfere Interpretationen des Repertoires in Konzertsaal und auf Opernbühnen zu liefern, ist unter Scheibs Leitung deutlicher geworden.

Das war umso erfreulicher, als im Zuge der letzten Sparwelle im ORF der Bestand des Orchesters infrage gestanden war. Wozu braucht eine öffentlich-rechtliche Anstalt ein Orchester? Aus dem gleichen Grund, aus dem sie Sender wie Ö1 braucht. Das Orchester sorgt nicht nur für die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags, es erfüllt ihn auch mit lebendigem Geist. Es tut, was der Sinn des öffentlichrechtlichen Wesens ist, hält andere Optionen in einem mehr und mehr marktgetriebenen Medien-und Kulturgewusel offen.

Christian Scheib hat solche anderen Ansprüche fantasievoll akzentuiert und auch die Präsenz des Orchesters im Programm Ö1 verstärkt. Umso befremdlicher, dass sein Vertrag nun nicht verlängert wird, sondern per Ende Juli ausläuft. Radiochef Karl Amon sagt, Scheib habe seine Sache hervorragend gemacht, aber man wolle den Job nun international ausschreiben. Scheib hat ja einen Vertrag als Radiomitarbeiter. Er selbst will die Sache nicht kommentieren. Ein österreichisches Rätsel. Hoffen wir, dass die landesübliche Unterstellung finsterer Motive nicht zutrifft.


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