Ein ungestümer Liebesfilm: "Love Steaks" von Jakob Lass

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Sage niemand, deutsche Filmstudenten hätten keinen Humor! Jakob Lass zum Beispiel, der Autor und Regisseur von "Love Steaks", behauptet von seinem vielfach ausgezeichneten Abschlussfilm an der Potsdamer Hochschule Konrad Wolf, dass er die "dramaturgisch-immersive Qualität von geschriebenen Spielfilmen" mit "der Frische und Spontaneität von Improfilm und der Authentizität von Dokumentarfilm" verbinde.

Macht ja nichts, der Film kann trotzdem etwas. Erzählt wird die Geschichte von Clemens, der als Masseur und Mädchen für alles in einem Wellnesshotel an der Küste anheuert. Und erzählt wird die Geschichte von Lara, die ebendort als einzige Frau unter lauter Männern in der Küche arbeitet. So verschieden die beiden Charaktere sind - er: nett und schüchtern, sie: ungestüm und alkoholkrank -, so unvermeidlich kommen sie einander näher und wird eine gemeinsame Geschichte daraus.

"Love Steaks" ist - wenig überraschend - ein Liebesfilm. Überraschend hingegen ist die Art und Weise, in der Regiedebütant Lass und sein Team ihn erzählen. Statt auf "Dogma" à la Lars van Trier setzen sie auf "Fogma" - wobei das "F" vermutlich für Freiheit oder Fun stehen dürfte oder auch einfach für Fuck You, Lars!

Drehbuch gab's angeblich keines, nur bestimmte Plotsituationen, um die herum improvisiert wurde. So wechselt der Stil von Szene zu Szene: vom sachlich geschilderten Arbeitsalltag über die kecke Anmache ("Arschmassage mit ganz viel Öl") bis zur mit Splatter-Zeitlupe gedrehten Wuttherapie am menschenleeren Strand. Das absurdeste Bild des Films: eine Einkaufsfahrt, gefilmt aus Laras Kombi - in dessen Laderaum ein paar Dutzend Ananas "fröhlich" hin und her wackeln.

Eventuell ist das Ganze hier weniger als die Summe seiner Teile, aber das gehört wohl mit zum Konzept von "Love Steaks". Die beiden Hauptdarsteller indes sind schlicht großartig, Lana Cooper und Franz Rogowski - ein freundlicher deutscher Vincent Gallo für Arme.

Ab 11.7. im Filmcasino


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