Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Dryck Nypon

Ein sonderbar vertrauter Saft, der Marketingmaßnahmen sabotiert

Stadtleben | MS | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Das in der Vorwoche erwähnte Gurkenexperiment ist bis dato nicht geglückt. Die zwei ungeschälten Bio-Feldgurken hinterließen ihr Wesen noch nicht zufriedenstellend im Sirup (1 Kilo Zucker, 2 Liter Wasser). Auch die darauffolgende Versuchsanordnung mit drei geschälten Schlangengurken im Zucker-Wasser-Gemisch mit demselben Verhältnis schlug fehl. Was nun noch infrage kommt, ist Gurkensaft, den man entweder unter Dampf gewinnt oder direkt presst und danach mit Zucker präpariert.

Was ebenfalls häufig nicht zur Zufriedenheit gelingt, sind banale Einkäufe bei Handelsketten wie Ikea. Stundenlange Sitzungen in Sachen Einrichtung können an den Nerven zehren, was den Gang in die Kombüse des Hauses notwendig macht, Stichwort: "Köttbullar". Die Mischung aus skandinavischer Exotik und günstigen Preisen macht die Mahlzeit zu einem merkwürdig kindlichen Vergnügen. Meist wird nach amerikanischer Manier der Softdrink dazubestellt, bei dem der unverschämte Refill reizt - entweder stillt man den gesamten Durst gleich an der Zapfsäule oder man geht immer wieder an den Ort, wo ewig die Preiselbeerlimo fließt, was dann doch zur Peinlichkeit wird.

Aber nein: Es gibt auch Dryck Nypon! Ein eher dickflüssiger Drink mit Hagebutte, nicht unerfrischend. Er schmeckt merkwürdig vertraut und doch fremd, weil es in Österreichs Breiten nichts derartiges gibt. Dryck Nypon erspart einem den verdammten Wohlstandsreflex, den diese kapitalistischen Refill-Attitüden in einem hervorrufen.


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