Brief aus Rio Vor-Ort-Bericht

Opium fürs Volk, Drogenhandel für Medien

Ulla Ebner direkt aus Rio über das Geschehen außerhalb der Stadien

Stadtleben | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Angekündigte Revolutionen finden bekanntlich nicht statt. Oft werde ich in letzter Zeit gefragt, ob wir Medienleute Demos gegen die WM in Brasilien verschweigen. Die Antwort ist: jein. "Fußball ist Opium für das Volk und der Drogenhandel der Medien", diesen Spruch haben kürzlich Aktivisten auf jenes Luxushotel in Rio de Janeiro projiziert, in dem die Fifa-Granden residieren. Das Opium scheint zu wirken. Es gibt zwar noch vereinzelt Protestaktionen, aber daran nehmen vielleicht 50 bis 200 Menschen teil. Der Rest ist im Fußballfieber. Nachdem beim Turnier alles gut läuft, steigt die Laune der Brasilianer, besagt eine aktuelle Umfrage - und so nebenbei steigen auch die Umfragewerte der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff. Selbst eingefleischte brasilianische Weltmeisterschaftsgegner erliegen dem Opium. Doch einige von ihnen protestieren jetzt heimlich, habe ich mir erzählen lassen: Sie drücken die Daumen für den Fußball-Erzfeind Argentinien.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige