Der Mann mit den drei Leben

30 Jahre lang war Norbert Lopper der "Sekretär" der Wiener Austria. Zum 95. Geburtstag erschien ein Buch über sein bewegtes Leben

Stadtleben | Porträt: Johann Skocek | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014


Foto: Privatarchiv Lopper

Foto: Privatarchiv Lopper

Sekretäre wie Norbert Lopper werden nicht mehr gemacht. Nicht nur der Fußball, der den alten Herrn Zeit seines Lebens beschäftigte, wird heute von Managern, Agenten, Spindoktoren, Scouts, Netzwerkern, Interessenvertretern, Experten, Meinungsbildern, Vertrauten, Beauftragten und Budgetverantwortlichen verwaltet und gestaltet. Norbert Lopper war schlicht der „Herr Sekretär“. Er führte die Wiener Austria von 1956 bis 1983 und erledigte alles, von der Lohnauszahlung bis zur Organisation von Tourneen. Vergangene Woche feierte Lopper seinen 95. Geburtstag. Er wäre der Erste, der die Legende von den „guten alten Zeiten“ als kindisch zurückweisen würde.

Wer wüsste besser als er, dass die früheren Zeiten vor allem harte Zeiten waren. In Loppers Leben finden sich die kennzeichnenden Motive von Österreichs Zeitgeschichte. Er ist Jude und wurde nach dem „Anschluss“ vertrieben, er überlebte Auschwitz, sein Vater und eine Schwester wurden ermordet. Er lebte nach 1945 in Brüssel, kehrte 1953 als Weltbürger, der innerlich Frieden mit seiner Heimatstadt gemacht hatte, nach Wien zurück. Als Teil eines europaweiten, ja weltweiten Netzwerks arbeitete er für die Wiener Austria und den geliebten Fußball. Bis heute spürt er keine Rachegelüste. „Hätt ich mich sollen erschießen und nicht zurückgehen? Ich habe der Austria so viel zu verdanken“, sagte er in einem der Gespräche, die wir für seine Biografie führten.


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