Katharinas Nachtwache Was in Wiens Partyszene passiert - Veranstaltungen im Überblick

Die beiläufige Girlpower beim Urban Art Forms

Katharina Seidler ist Musikjournalistin und Mitarbeiterin von FM4. Sie prüft die Beats und Partys der Wiener Clubszene

Lexikon | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Gute Musik auf dem Urban Art Forms Festival zu finden ist schwierig, aber nicht unmöglich. Zuerst kämpft man sich durch großwandige Electronic Dance Music und vom Knalleffekte lebenden Bro-Step, dann allerdings tun sich die kleineren Bühnen am Schwarzlsee auf, der die Festivallocation zu einer der reizvollsten des Landes macht. Hier ergibt alles mehr Sinn, der harte, aber durchdachte Techno von Dominik Eulberg, Tokimonstas bunt schillernde Soul- und Bass Music und vor allem die Liveshow von Elliphant. Wie M.I.A. und Santigold steht auch diese junge Schwedin in der Tradition von Dancehall und Electropop; als Newcomerin und einer von nur ganz wenigen weiblichen Acts im Line-up liefert sie eine der besten Shows des Wochenendes. Während zeitgleich in einer der Hallen Go-Go-Girls ein schreckliches DJ-Set anfeuern, holt Elliphant junge Frauen aus dem Publikum nach vorne und auf die Bühne, verbreitet fast schon hippieske, universelle Liebe und wird mit beiläufiger Selbstverständlichkeit zum Role Model.

VORSCHAU

FREITAG: Endlich ist wieder Prater Unser! Das exquisit gebuchte, hauseigene Pratersauna-Elektronikfestival eröffnet um 20 Uhr mit einer Lesung des Journalisten und Schriftstellers Jürgen Teipel ("Mehr als laut - DJs erzählen") und macht danach mit poppiger Disco von Tensnake, kleinteiligem House von Akufen sowie Erdbeerschnitzel, dem Mann, dessen vielgestaltige House-Entwürfe so schön sind wie sein Künstlername, die Nacht zum Tag. In der Arena performt der US-Rapper Nas sein legendäres Debütalbum "Illmatic" aus dem Jahr 1994, Left Boy, Blumentopf und Crack Ignaz sind dort im Rahmen des FM4 HipHop Open auch am Start. Bronx aus Mexiko produziert futuristischen House und versetzt ihn im Café Leopold mit R'n'B-Stimmsamples, und der britische Drum'n'Basser Dialogue schüttelt den Camera Club durch.

SAMSTAG: Tag zwei bei Prater Unser: Redshape aus Berlin setzt für sein dunkles, mitreißendes Techno-Liveset eine gespenstische rote Maske auf, und das isländisch-amerikanische Duo Thugfucker sitzt geschmackvoll zwischen sämtlichen Genrestühlen. In der Grellen Forelle und im Werk gibt es eine Vinylbörse plus Flohmarkt, bevor im Rahmen der ersten Spittelauer Kernschmelze lokale House-Heads und Technologen auf die Hardcoretechno-Beatexplosionen von Mussurunga treffen. Der belgische Produzent Gullfisk beheizt inzwischen das Heuer am Karlsplatz mit melodisch pluckernder Bass Music.

seidler@falter.at


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