Auf die sanfte Tour

Wo die Polizei im Grazer Bezirk Gries an ihre Grenzen stößt, schickt sie eine Mediatorin. Doch jetzt wackelt das Projekt

Steiermark | Bericht: Donja Noormofidi | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014


Foto: J.J. Kucek

Foto: J.J. Kucek

Michaela Strapatsas steht zwischen den Fronten – das ist ihr Job. An diesem Tag bildet die Front ein Zaun zwischen einer Grazer Moschee und einem Wohnhaus. Auf der einen Seite des Zauns steht der Imam, ein freundlicher Mann in mittleren Jahren, auf der anderen Seite Frau A*. In der Moschee kann es manchmal bis in die Nachtstunden rund gehen. Zum Beispiel im Ramadan, der gerade wieder begonnen hat, wenn die Besucher gemeinsam fastenbrechen. Die Moschee ist von Wohnhäusern umgeben und das Verständnis mancher Nachbarn enden wollend. Immer wieder riefen sie die Polizei – doch die kann bei Lärm außer ermahnen und strafen nicht viel tun.

Wenn die Polizei an ihre Grenzen stößt, rückt Strapatsas aus und versucht es auf die sanfte Tour, ihr Job ist es nämlich auch, die Fronten aufzuweichen. Polizeimediation nennt sich das einzigartige Projekt im Grazer Bezirk Gries, das Chefinspektor Franz Brandstätter von der Inspektion Karlauerstraße und Strapatsas auf die Beine gestellt haben. Mehr als 5000 Anzeigen und 100 Festnahmen verzeichnet die Polizei pro Jahr im Gries, der Bezirk gilt als Brennpunkt. In zwei Jahren bearbeitete die Mediatorin Strapatsas dort gemeinsam mit der Polizei rund 40 Konfliktfälle, oft ging es um erbitterte Streitigkeiten zwischen Nachbarn, aber auch Konflikte im öffentlichen Raum oder Gewalt in der Familie waren darunter. In einigen Fällen spielten zusätzlich kulturelle Unterschiede eine Rolle, Gries zählt zu jenen Grazer Bezirken mit hohem Migrantenanteil. Eine Begleitforschung ergab: In neun von zehn Fällen konnte die Situation durch die Mediation zumindest verbessert werden.


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