Literatur Tipp

Mann aus dem Copyshop, Kind aus dem Altersheim

Lexikon | SF | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Das Literaturfestival O-Töne belebt das Museumsquartier seit mehr als zehn Jahren mit Freiluftlesungen namhafter österreichischer Autorinnen und Autoren, die bei freiem Eintritt aus ihren aktuellen Büchern vortragen. Das Spektrum reicht von "anspruchsvoll" bis "unterhaltsam". Immer wieder gelingt es Christoph Möderndorfer und Thomas Keul, dem Veranstalter bzw. Kurator des Festivals, Literaten einzuladen, die beide Qualitäten in sich vereinen. Nach der Eröffnung mit Marlene Streeruwitz lesen diese Woche Antonio Fian und Lydia Mischkulnig. Als Gemeinsamkeit bringen sie das Herkunftsbundesland Kärnten mit.

Dramolette, Hörspiele und Erzählungen prägen das Werk Fians (Jg. 1956)."Schratt", der erste Roman des seit vielen Jahren in Wien lebenden Autors, datiert aus dem Jahr 1992 und blieb sein bislang einziger Versuch auf der Langstrecke. Heuer veröffentlichte der Mann, der beim großen Werner Kofler gelernt hat, bei Droschl seinen neuen Roman "Das Polykrates-Syndrom", an dem er mit Pausen insgesamt zehn Jahre gearbeitet hat. Fian erzählt von den inneren Wünschen, Ängsten und Abgründen eines anspruchslos glücklichen Mannes, dessen Welt auf den Kopf gestellt wird, als eine junge Frau bei ihm im Copyshop auftaucht. Das ist großes Kino, sprachlich exzellent, bitterböse und ziemlich blutig, da Fian hier auch mit Thriller-Elementen hantiert.

Mischkulnig (Jg. 1963) wiederum liest auch ihrem jüngsten Roman "Vom Gebrauch der Wünsche" (Haymon). Nicht zum ersten Mal behandelt die Autorin darin die Abgründe des menschlichen Beziehungslebens. Hauptfigur der Geschichte ist Leon, der ausgerechnet in einem Altersheim aufwächst. Viel später trifft er beim Tangotanzen jene Frau wieder, die es ihm schon als Kind angetan hat. Um die Einleitungen kümmert sich der Germanist Klaus Zeyringer.

Museumsquartier, Hof 8, Do 20.30


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