Brasilien zum Lecken

Wer kein offizieller Fifa-Partner ist, springt marketingtechnisch trotzdem auf den Fußball-und Brasilien-Trend auf

Stadtleben | Bericht: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Das schmeckt ein bisschen exotisch", antwortet der Besitzer des Gumpendorfer Eisgeschäfts grinsend auf die Frage, was denn, bitteschön, die Sorte "Brasilia" sei. Vor ihm in der Vitrine: Gefrorenes in den brasilianischen Flaggenfarben Blau, Gelb und Grün.

Auch wer bei dieser Fußball-WM kein offizieller Fifa-Partner ist, nascht gerne ein bisschen Weltmeisterkuchen und macht sein Produkt ein wenig brasilianisch; zumindest aber fußballerisch. Im Fastfood-Fischrestaurant gibt es das "Baguette Brasilia"(ohne Blau, dafür mit Shrimps), der Kettenbäcker hat ein belegtes Fußballsemmerl im Angebot. Opel Österreich kündigt gerade jetzt eine Kooperation mit der Austria Wien an und auch eine große Bank nutzt die allgemeine Fußballfreude und etabliert David Alaba, Österreichs besten Fußballer, der nicht bei der WM mitmachen darf, als Sympathie und Werbeträger. Kleine Buchhandlungen dekorieren ihre Auslagen in den Landesfarben Brasiliens (etwas anderes kommt nicht infrage), der rührige wie rosarote Cupcakesalon ums Eck fabriziert Fußballkuchen am Stiel. Sogar der korrekte Weltladen platziert neben fair produzierten Fußbällen gelbgrüne Accessoires im Schaufenster. Die Taschen kommen zwar nicht aus Südamerika, sondern aus Indien. Aber sie sind fair produziert und überhaupt.

Nur Burger King hat sich offenbar nicht über das Fußball-Thema drüber getraut, während der offizielle Fifa-Sponsor McDonald's immerhin den "Samba Classic" (mit "fruchtig-würziger Sauce") im Programm hat, gibt es beim Mitbewerber gar nichts Brasilianisiertes vom Grill.

Und die Cocktailbars der Stadt tun sich ohnehin nicht so schwer mit passenden Fangetränken zum dreifärbigen Südamerika-Thema. Wobei der Fußballfan ohnehin wohl eher selten an pickigen Cocktails zum Match nippt. Sondern eher das Bier in der Hand hat (die Brauereien sind übrigens verdächtig unaufgeregt, was Fußball-Marketing betrifft). Eiscreme aber auch nicht. Eine Kugel "Brasilia"? Nein, danke, dann doch lieber Stracciatella, so wie immer.


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