Film Neu im Kino

Abenteuer mit hoch- und tiefbegabten Detektiven

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Im verlassenen Hinterhaus, in dessen ausgebrannte Fensterhöhlen Rico von seinem Zimmer aus schauen kann, gehen unheimliche Schatten um. Der Bub beobachtet diese "Tieferschatten" genau, wie er auch akribisch seine "Fundpapierchen" - Müll von der Straße - archiviert. Rico nimmt die Welt etwas anders wahr: Als tiefbegabtes Kind rollen seine Gedanken oft wie Bingokugeln in einer Trommel umher, und wenn er aufgeregt ist, fallen welche heraus.

Während das sommerliche Berlin von einer Kindesentführungsserie durch den mysteriösen "Mister 2000" in Angst und Schrecken versetzt wird, lernt Rico Oskar kennen. Sein neuer Freund ist hochbegabt und scheint Rico perfekt zu ergänzen. Als er entführt wird, heftet Rico sich auf seine Spuren.

Mit "Rico, Oskar und die Tieferschatten" verfilmte Neele Leana Vollmar Andreas Steinhöfels gleichnamiges Kinderbuch um zwei ungewöhnliche Helden, die beide mit ihrer Situation zu kämpfen haben. So trägt der überängstliche Oskar aus Furcht vor Unfällen immer einen Helm.

Eingebettet in eine ganze Welt liebevoll gezeichneter Figuren entfaltet sich eine spannend und gewitzt erzählte Detektivgeschichte mit zwei tollen Hauptdarstellern. Der Fokus bleibt dabei stets auf Ricos kindlicher Wahrnehmung. Dies ermöglicht es, ernstere Themen anzuschneiden - um die Depressionen der Nachbarin zu verstehen, stellt Rico sich beispielsweise einen Rollstuhlfahrer vor, dem Arme und Räder abgefallen sind.

Für das erwachsene Publikum ist das auch komisch: Ob Bingospielen, das gemeinsame Hobby von Rico und seiner Mutter, denn nicht eher etwas für alte Leute sei, fragt der Nachbar. Ja, antwortet Rico voller Begeisterung - weil eine alte Frau gestorben sei, sei ein Platz für ihn frei geworden.

Ab Fr in den Kinos


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