Private Blicke auf Günter Brus

Das Universalmuseum Joanneum hat in privaten Sammlungen nach Brus-Werken gestöbert. Die Ausbeute ist beachtlich

Lexikon | Donja Noormofidi | aus FALTER 28/14 vom 09.07.2014

Wenn Günter Brus durch die soeben eröffnete Ausstellung spaziert, kommt er selbst ins Staunen. "Wo kommt denn das her? Das ist mir ganz fremd." Auch die teils in Altrosa oder Flieder gehaltenen Ausstellungsräume bringen ihn zum Lächeln. Immerhin galt der Künstler als eine der zentralen Figuren des Wiener Aktionismus, der in der sogenannten "Uni-Ferkelei" 1968 einen Höhepunkt fand. Zwei Jahre später beendete Brus seine aktionistische Periode, heute ist er einer der gefragtesten österreichischen Künstler.

Die Wandfarbe ist kein Zufall. "Der private Blick" heißt die neue Ausstellung im Bruseum. Sie zeigt Werke des Künstlers, die aus steirischen Privatsammlungen zusammengetragen wurden, die Wandgestaltung soll an bürgerliche Sammlerwohnungen erinnern. Die Ausbeute ist jedenfalls beachtlich: Da ist etwa ein Bauernhaus, das Brus in der Schulzeit gemalt hat. Der Bauer habe sich beschwert, dass man die Schindeln nicht sieht, sagt Brus. Gezeigt werden unter anderem Aktionsskizzen, Fotografien seiner Aktion "Zerreißprobe" sowie Beispiele seiner Bild-Dichtungen. Oder "Die Geburt der Perle", die Leihgabe eines Grazer Kaffeehausbesitzers, bei dem Brus einst die Zeche nicht zahlen konnte und ein Bild eintauschte.

Wie lebt man mit einem Brus, der einem die Schattenseiten und die eigene Unvollkommenheit so schonungslos vor Augen führt? Oder wählt man etwa einen Brus passend zur Sofafarbe aus? Der "private Blick" soll, laut Kurator Roman Grabner, im Mittelpunkt der Ausstellung stehen: "Die erste Wertschätzung hat Brus von Sammlern erhalten, während das offizielle Österreich ihn noch verurteilte." Die Werke wurden in den Rahmen belassen, die ihnen die Sammler verpasst haben, ein Bild ebenso verkehrt aufgehängt, wie es der Besitzer in seinem Büro getan hat. Zwischen den Werken finden sich Zitate von Sammlern: "Für mich ist Günter Brus einer der besten Künstler. Er gehört für mich zu den Menschen, mit denen man eine andere Welt erreichen kann."

Bruseum, Joanneumsviertel Graz, bis 26.10.


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