Er machte Finsternisse sichtbar

Zum Tod des Schauspielers und unwahrscheinlichen Wiener Burgtheater-Stars Gert Voss

Feuilleton | Nachruf: Sigrid Löffler | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Shakespeares "Richard III." in Claus Peymanns Inszenierung 1987 am Burgtheater war sein Durchbruch, sein Triumph. Vorher galt Gert Voss, Ensemblemitglied erst am Stuttgarter Staatsschauspiel und dann am Bochumer Theater, als ein unerhört wandlungsfähiger Schauspieler von heller Intelligenz und großer Bandbreite, gleichermaßen bestechend in Haupt- und Nebenrollen.

Doch nachher, als der Burg-Premierenjubel um Shakespeares buckligen und humpelnden Mörder-König mit der verschnittenen Plantagenet-Hitler-Frisur nicht enden wollte, war Gert Voss über Nacht ein Star - der neue Publikumsmagnet und Stehplatzheld der Wiener, ein Liebling der Kritiker im ganzen deutschen Sprachraum, und bald auch im fremdsprachigen Ausland anerkannt als Europas konkurrenzlos größter Theaterschauspieler.

Voss war ein ganz unwahrscheinlicher Burg-Star, sternenweit entfernt von Lokalfavoriten à la Otto Schenk oder Brandauer, die so gern an der Rampe um die Anhimmelungsbedürfnisse des Wiener Publikums buhlen.


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