Sozusagen italienisch kochen (1)

Wohin es führt, wenn man sich nicht mit Caprese und Bolognese zufriedengibt

Gerichtsbericht: Werner Meisinger | Stadtleben | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Aus gegebenem Anlass darf ich mich in den kommenden Wochen mit der italienischen Küche befassen. Der Anlass ist ein Aufenthalt in den Marchen. Die Marchen sind das Mühlviertel Italiens. Es ist also nicht besonders viel los. Eigentlich gar nichts, wenn man die Küste meidet. Weil überhaupt nichts los ist, kann ich den ganzen Tag kochen und zwischendurch mit ein paar Irrtümern über die italienische Küche aufräumen.

Erster Irrtum: Es gibt eine italienische Küche. Wie sollte es die denn geben, in einem Land, das sich von den Alpen bis in die Mittelmeersmitte erstreckt und einen Großteil der in Europa verfügbaren Vegetationsund Klimazonen umfasst? Im Piemont wird Fondue gegessen, in Sizilien eher nicht. In Norditalien kommen kräftig Eier in die Nudeln und die Nudeln in Butter-und/oder Oberssaucen.

An den Küsten südlich von Genua und Rimini hingegen kommen Butter und Obers so gut wie gar nicht vor und Eier niemals in den Nudelteig. Dafür fungiert Olivenöl durch alle südwärtigen

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